_______Geschichtsverein Pfullingen e.V.
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Veranstaltungsprogramm 2019 als Bild

Zur Sonderausstellung 2019 im Stadtgeschichtlichen Museum

„‘Vergessene‘ Berufe – Handwerkskunst, Erfindergeist, Forscherdrang“

Vielfalt der Berufe

Unsere KULTUR lebt von der Vielfalt dessen, was wir Menschen SELBST GESTALTEN. (Im Unterschied zur NATUR, die nicht von uns MENSCHEN geschaffen und nicht verändert wurde). Im Lateinischen bedeutet cultura „Bearbeitung, Anbau, Ackerbau, Ausbildung“, verweist also auf die menschliche Arbeit bzw. berufliche Tätigkeiten.

Ob Müller, Seiler, Schuhmacher, Messerschmied, Leinenweber, Kesselflicker, Turmuhrenbauer, Glaser oder Glasmaler, Bürstenmacher, Buchbinder und nicht zuletzt Wasserwiesenmeister, unsere Vorfahren haben ein Leben lang Tätigkeiten beherrscht, von denen wir teilweise nichts oder nur noch wenig wissen.

Einblick in das Ausbildungssystem

Eine solide Ausbildung ist das Fundament für die berufliche Zukunft. Das Dokument dafür sind die Werkstattwochenbücher (heutige Berichtshefte). Hier wird akribisch in Text und Zeichnung festgehalten, was erlernt wurde. In der Ausstellung werden die Berichtshefte zweier Auszubildender präsentiert: Bürstenmacherlehrling Albert Keppler (Ausbildungsbeginn 1948) und der Müllerlehrling Helmut Schildknecht (Ausbildungsbeginn 1962). Nach dem Studium dieser einzigartigen Dokumente fühlt man sich in die Lage versetzt, das Handwerk selbst ausüben zu können. Es wundert nicht, dass die Verfasser, die damaligen Lehrlinge, jeweils sehr erfolgreiche berufliche Laufbahnen einschlugen.

Das Werkstattheft von Bürstenmacher-Lehrling Albert Keppler ist eines der Exponate die in der neuen Ausstellung anzusehen sind. Daneben die Bürste, deren Herstellung die im Heft beschrieben ist.

Jahrhundertealte Ingenieurtechnik, Weltmarktführer aus Pfullingen und vergessene Handwerkskunst

In jeder Stadt und in jedem Dorf gab und gibt es diese Vielfalt beruflicher Tätigkeiten. In Pfullingen treffen wir auf Berufe, die allgemein weit verbreitet waren und noch sind, wenn auch heute in völlig anderer technischer Ausprägung wie noch vor fünfzig Jahren. Wir stoßen auf Berufsbilder und Handwerkskünste, die sehr speziell auf Pfullinger Gegebenheiten zugeschnitten waren. Dazu zählte z. B. der Beruf des Wasserwiesenmeisters, denn Wasserwiesennutzung bedurfte besonderer naturräumlicher Voraussetzungen. Demgegenüber steht der Wasserbauingenieur, der für die spezifischen Bedingungen eines jeden Gewässers in der Lage war, Mühlräder oder Turbinen zu bauen. Diese Ingenieurtechnik ist seit dem frühen Mittelalter (oder noch früher) bekannt und entwickelte sich stetig weiter. In Pfullingen existierten über die Jahrhunderte über 30 Mühlenstandorte, jeder mit eigenem Einzelantrieb.

Fast jeder Gegenstand, den wir heute benutzen, wird industriell hergestellt, viele Dinge werden heute aus Kunststoff produziert, werden zu Wegwerfartikeln. Das war bis vor drei Generationen noch ganz anders. Manche Handwerkswerkskunst ist ganz aktuell am „Verschwinden“: die Auflösung der Schuhmacher-Innung zum Jahresende 2019 ist kennzeichnend für diesen Wandel. Die Ausstellung stellt diesen elementaren Handwerksberuf vor, und zeigt mit welchem Aufwand einst maßgeschneiderte Schuhe für Jedermann hergestellt wurden. In Pfullingen existierten im Jahr 1861 immerhin 37 Schuh- und Pantoffelmachermeister. Am Beispiel der Schumacher wird das Zunftwesen, der damaligen Organisationsform freier Handwerker, erläutert. Eine Voraussetzung für gutes Schuhwerk war das Vorhandensein von Leder. Das zuständige Handwerk wurde von den Gerbern ausgeübt. Keine Gerbung ohne Wasser, so war es damals mit den ortsansässigen „Rot“- und „Weiß“-Gerbern. Die Echaz bot ausreichend Wasser. Doch auch in diesem Beruf gab und gibt es revolutionierende Erfindungen und grundlegende Veränderungen. Vorreiter und Weltmarktmarktführer gab es bereits im 19. Jahrhundert in Pfullingen, und gibt es heute. Heute erfolgt hochwertige Gerbung unter Einsatz umweltfreundlicher und biologisch abbaubarer Gerbstoffe.

TINA Messerfabrik: Ein „Global Player“ aus Pfullingen. Auf der Homepage ist nachzulesen: Die TINA-Messerfabrik wurde 1854 von Johann Friedrich Schwille gegründet, 1885 unter seinem Nachfolger Gottlieb Friedrich Schwille in die Handwerksrolle eingetragen. Seit 1890 wurde exportiert, zuerst in die Schweiz und auf den Balkan. Um 1910 kam Mittelamerika als wichtiger Exportmarkt dazu. Heute wird von Reutlingen aus in 32 Länder der Welt geliefert. Bei der Herstellung von TINA-Messern werden nur ökologisch unbedenkliche Stoffe verwendet. Als Nebenprodukt wird seit 2007 umweltfreundliche Energie produziert.“

TINA-Messer-Produktion

Das Echaztal war, wie andere Flusstäler in Süddeutschlag auch, bekannt für die Textilindustrie. Doch bevor die Industrialisierung einsetze, gab es bereits über viele Jahrhunderte die großräumige Herstellung von Leinengarn bzw. Flachs auf der nahen Alb und Verarbeitung zu hochwertigen feinen Garnen und Webstoffen. Es waren die Leinenweber, die noch im Jahr 1837 mit 41 Meistern in Pfullingen vertreten waren. 30 Jahre später waren sie bereits durch die industrielle Garn- und Stoffproduktion verdrängt worden.

Eine besondere Berufsgruppe bildeten die so genannten „fahrenden“ oder „fliegenden“ Wanderberufe. Dazu zählten neben z. B. Lumpensammlern auch die Kesselflicker. Gab es keinen Schmied am Ort, kamen regelmäßig diese „Kessler“, und nahmen sich der Reparaturen an. Dieser Beruf ist in Pfullingen noch im Jahr 1771 nachgewiesen. Später finden sich ansässige Schmiede in den Gewerbelisten.

Neben den weit verbreiteten Berufen gab und gibt es in Pfullingen Berufe, die einen sehr hohen Spezialisierungsgrad aufweisen. Dazu zählt ohne Zweifel die Walz Uhren GmbH (Turmuhren und Glockenläutmaschinen).

Der schwäbische Tüftler Ludwig Walz gründete im Jahr 1874 eine Holzdreherei, in der er auch Uhren aller Art reparierte. Sein Sohn und gelernter Turmuhrenmacher August Walz übernahm 1920 den Betrieb, legte den Schwerpunkt ab jetzt auf Turmuhren. In dieser Branche arbeitet die Firma heute in der fünften Generation. Das ehemalige Geläutwerk der Marienkirche ist heute im Reutlinger Heimatmuseum zu besichtigen.

  Walz-Glockenleutwerk
(ehem. Leutwerk der Marienkirche in Reutlingen, heute Heimatmuseum
Reutlingen).

Die Ausstellung zeigt noch mehr: Glasmalerkunst der Firma Künstner, gegründet 1925 in Pfullingen von Otto Künstner, das Seilerhandwerk, die Arbeit und Handwerk der Wasserwiesen­bewirtschaftung in Pfullingen. Für die Ausstellung des Geschichtsvereins wird exklusiv eine „Wasserfalle“ entsprechend einer Bauanleitung aus dem Pfullinger Stadtarchiv hergestellt. Das Holz, frisch gesägt in der historischen Flad’schen Sägemühle, wird originalgetreu nachgebaut. So können Bauweise und Funktionsweise dieses einzigartigen und bis in die frühen 1960er Jahre funktionierenden Bewässerungssystems der Pfullinger Echazwiesen studiert werden.

Die Sonderausstellung 2019 als Brücke zu Museumsneukonzeption

Die von Mitgliedern des Geschichtsvereins Pfullingen ehrenamtlich erstellte Sonderausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Schlössle spürt den genannten Berufen nach, und zeigt, wieviel Erfindergeist und Forscherdrang nötig war, die Gewerke und deren Produkte zu höchst möglicher Qualität zu führen. Die Sonderausstellung 2019 ruft auch in Erinnerung, dass etliche der ausgestellten Berufe Teil der Dauerausstellung in der seit 2017 still gelegten Museumsscheuer sind. Diese Ausstellung will eine Brücke sein, bis zur ersehnten Umsetzung der mit Fördermitteln des Biosphärengebiets Schwäbische Alb bereits geplanten Museumsneukonzeption unter dem Aspekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2017). Diese Konzeption kann im Sonderausstellungraum eingesehen werden. Ein Raum im Museum ist 2018 beispielhaft vom Geschichtsverein Pfullingen in vollständiger Eigenfinanzierung eingerichtet worden. Fotographien aus den Jahrhunderten durch das Archiv von Foto-Burgemeister, Steffen Burgemeister, sind essenzieller Teil der Ausstellung. Wichtige Informationen und Daten liefert das Stadtarchiv, zusammengestellt von Stadtarchivar Stefan Spiller. Eine Bereicherung sind Gemälde der Pfullinger Künstler Ernst Eiting und Karl Raiser zu einzelnen Themen.


 

Vernissage am 03. Mai 2019

Die Vernissage der Ausstellung erfolgt in feierlichem Ambiente im Rahmen der Eröffnung der Museumssaison am Freitag, den 3. Mai 2019 um 18 Uhr zusammen mit dem Trachten- und Mühlenmuseum im Beisein von Bürgermeister Michael Schrenk in der Mühlenstube. Die Einführung spricht Prof. Waltraud Pustal, Vorsitzende des Pfullinger Geschichtsvereins.

Die Sonderausstellung ist jeweils sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Das Begleitprogramm zur Ausstellung umfasst mehrere Führungen und Veranstaltungen. Führungen sind sonntägliche Stadtführung mit Ende im Museum: 19.05., 28.07., 13.10. Diese Führungen werden durch verschiedene Stadtführerinnen und Stadtführer des Geschichtsvereins durchgeführt (Martin Fink, Stephan Spiller, Florian Lang). Treffpunkt ist jeweils um 13:30 am Marktbrunnen und endet in der Ausstellung. Am Dienstag, den 24.09. findet im Kutscherhaus (Samariterstift) in der Hohmorgenstraße 9 um 18:30 Uhr ein Vortrag mit Bildern zum Thema „Pfullinger Lebensbilder mit Prof. Waltraud Pustal statt.


 

Unsere beiden Flyer zu Aktivitäten und Satzung, diese können im Downloadbereich links heruntergeladen werden.

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